PFAS im Trinkwasser: was seit 2026 gilt und was Sie tun können
PFAS im Trinkwasser: woher sie kommen, welche Grenzwerte seit Januar 2026 gelten, wie Sie die Werte für Ihre Region finden und was wirklich hilft.
PFAS sind Industriechemikalien, die sich in der Umwelt kaum abbauen und inzwischen auch im Trinkwasser nachweisbar sind. Seit Januar 2026 gelten in der EU erstmals Grenzwerte dafür. Was das bedeutet, wie Sie herausfinden, wie es bei Ihnen aussieht, und was Sie selbst tun können, lesen Sie hier.
Was sind PFAS?
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine Gruppe von mehreren tausend künstlich hergestellten Chemikalien. Sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend und stecken deshalb in Antihaftpfannen, Outdoorkleidung, Verpackungen, Feuerlöschschaum und vielen Industrieprozessen.
Ihre nützliche Eigenschaft ist gleichzeitig das Problem: Die Kohlenstoff-Fluor-Bindung ist extrem stabil. In der Natur bauen sich PFAS praktisch nicht ab, weshalb sie den Beinamen Ewigkeitschemikalien tragen.
Wie kommen PFAS ins Trinkwasser?
Über Abwässer aus der Industrie, über Feuerlöschschaum auf Übungsplätzen und Flughäfen, über belasteten Klärschlamm, der als Dünger auf Feldern ausgebracht wurde, und über den Regen. Von dort gelangen sie ins Grundwasser, aus dem ein Großteil des deutschen Trinkwassers gewonnen wird.
Weil sie sich nicht abbauen, reichern sie sich an. Wo einmal PFAS im Boden sind, bleiben sie es über Jahrzehnte.
Was gilt seit 2026?
Mit der Neufassung der Trinkwasserverordnung gelten seit dem 12. Januar 2026 erstmals konkrete Grenzwerte: 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe von 20 besonders relevanten PFAS. Ab 2028 kommt ein zusätzlicher, strengerer Wert für vier besonders kritische Verbindungen hinzu.
Wichtig zu verstehen: Ein Grenzwert ist ein politisch und technisch ausgehandelter Wert, keine Grenze zwischen gesund und ungesund. Das Umweltbundesamt hat für PFAS gesundheitliche Leitwerte definiert, die teilweise unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen.
Wie belastet ist mein Wasser?
Ihr Wasserversorger ist verpflichtet, die Werte zu veröffentlichen. Sie finden sie meist auf dessen Website unter Trinkwasseranalyse oder Wasserqualität. Achten Sie dabei auf drei Dinge:
- Wo wurde gemessen? Versorger messen am Wasserwerk, nicht bei Ihnen zu Hause. Was zwischen Werk und Hahn passiert, etwa in alten Bleileitungen, steht dort nicht.
- Wann wurde gemessen? Analysen sind Momentaufnahmen.
- Was wurde gemessen? Nicht alle Stoffe werden routinemäßig geprüft. Für Arzneimittelrückstände etwa gibt es bis heute keine gesetzlichen Grenzwerte, obwohl sie nachweisbar sind.
Nicht nur PFAS: Nitrat
In landwirtschaftlich geprägten Regionen kommt Nitrat aus der Düngung hinzu. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter, in einigen Messstellen wird er im Grundwasser überschritten. Die Versorger mischen dann Wasser aus verschiedenen Quellen, damit der Wert am Hahn eingehalten wird.
Was können Sie selbst tun?
Abkochen hilft nicht: PFAS zerfallen bei diesen Temperaturen nicht, das Wasser verdampft nur und die Konzentration steigt sogar. Wirksam sind im Wesentlichen drei Verfahren:
- Aktivkohlefilter binden einen Teil der PFAS, abhängig von Kettenlänge und Filterqualität.
- Umkehrosmose hält den Großteil zurück, benötigt aber eine Installation.
- Destillation trennt das Wasser vollständig von allem, was nicht mitverdampft, also auch von PFAS, Nitrat und Schwermetallen. Der nachgeschaltete Aktivkohlefilter fängt flüchtige Verbindungen ab.
Selbst messen statt nur glauben
Ein TDS-Messgerät zeigt Ihnen die Summe aller gelösten Stoffe in ppm. Es sagt Ihnen nicht, welche Stoffe das sind, aber es macht den Unterschied zwischen Ihrem Leitungswasser und destilliertem Wasser in Sekunden sichtbar. Für eine Analyse einzelner Stoffe brauchen Sie ein Labor.
Häufige Fragen
Sind PFAS im deutschen Trinkwasser gefährlich?
Die Versorger halten die gesetzlichen Grenzwerte ein. Gleichzeitig empfiehlt das Umweltbundesamt, die Belastung so weit wie möglich zu senken, weil sich PFAS im Körper anreichern.
Hilft Abkochen gegen PFAS?
Nein. PFAS sind hitzestabil, durch das Verdampfen steigt die Konzentration im verbleibenden Wasser sogar.
Entfernt ein Wasserfilter PFAS?
Aktivkohlefilter binden einen Teil, abhängig von Verbindung und Filterqualität. Vollständig trennt nur Destillation oder Umkehrosmose.
Wo finde ich die Werte für meine Stadt?
Auf der Website Ihres Wasserversorgers unter Trinkwasseranalyse. Die Angaben beziehen sich auf das Wasserwerk, nicht auf Ihren Hahn.
Gibt es Grenzwerte für Arzneimittelrückstände?
Nein. Sie sind nachweisbar, unterliegen aber keinem gesetzlichen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung.
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